Die Losensteiner

In diesem Bereich finden Sie alles Wissenswerte über das Adelsgeschlecht der Losensteiner.

Ein Auszug aus der heraldisch genealogischen Zeitschrift „Adler“ aus dem Jahr 1871 zur Geschichte des Adelsgeschlechtes der Losensteiner:

"...des Gundaccari von Steyer jüngerer Sohn Dietmar hat anno 1252 dem König Ottocar als Herzogen zu Österreich sein väterliches Erbgut, das Schloß und Stadt Steyer abgetreten und dafür 200 Talente Geldes und die Herrschaft Loßstein oder Losenstein sammt dem Burglehen daselbst als ein freies Eigenthum erhalten, wornach dieser Dietmar Herr von Steyer und all seine Nachkommen den Namen von Losenstein angenommen und geführt haben. Gleichzeichtig sind auch Urkunden vorhanden, daß einige aus diesem Geschlechte der Dynasten von Steyer schon lang vorher sich Herren von Losenstein genannt haben; denn in einem Vermächtnißbriefe an das Kloster Garsten de anno 1150 wird Ortolf von Losenstein als Zeuge erlesen und Leutold oder Leopold von Losenstein war anno 1165 auf dem Turnier zu Zürich mit Herzog Guelphen aus Baiern..."

Wie alles begann...

Nachdem die Babenberger im Jahr 1246 ausgestorben waren, kam es zu einem Machtvakuum in der Markgrafschaft Österreich, begleitet von unzähligen Gewaltakten aufgrund des rechtlosen Zustandes. Um dies zu unterbinden und um zu verhindern, dass das Land ob der Enns in fremde Hände gelangt, beschloss der steirische Adel im Jahr 1252 Ottokar Przemysl, ab 1253 König Ottokar II. von Böhmen zum obersten Landesherrn zu machen.

Bis dahin hatte Dietmar I. von Steyr das Burglehen, die Stadt und die gesamte Herrschaft Steyr in seinen Besitz gebracht.

König Ottokar II. dachte allerdings nicht daran seine Macht mit den steirischen Adeligen zu teilen, sondern übte ein Alleinherrschaft aus und bekämpfte Widersacher wo er nur konnte. So nahm er auch die Stadt Steyr ein, wo zu der Zeit Dietmar I. von Steyr (später von Losenstein) herrschte.

Die Markgrafschaften Österreich und Steiermark zur damaligen Zeit. In der Mitte die Stadt Steyr, Sitz von Dietmar I.

Dietmar I. musste daraufhin mit König Ottokar II. einen Vergleich schließen, der ihm zwar das Burglehen zu Steyr ließ (= Dietmar I. durfte weiter der Burg wohnen bleiben), ihm aber die Stadt Steyr nahm.

Dafür erhielt Dietmar I. die Herrschaft Losenstein als freies Eigentum.

Die Linie nach Dietmar I. (von Steyr) nannte sich nun auch „nach Losenstein“ und er war somit der erste Losensteiner dieser Adelslinie. Sie lebten allerdings anfangs nur fallweise auf Burg Losenstein und ließen die Burg hauptsächlich durch sog. Amtleute verwalten. Hier werden zB 1262 und 1282 ein Walchun und sein Sohn Heinrich als ebensolche genannt.

Erst sein Sohn Dietmar II. von Losenstein blieb ab 1274 mit seinen Nachkommen ständig auf der Burg. Um diese Zeit dürften dann auch die Vorburg und die Burgkapelle erbaut worden sein.

Der Titel

Die Losensteiner wurden seit Ihrer erstmaligen urkundlichen Nennung immer als „Herren von Losenstein“ bezeichnet, obwohl Sie ursprünglich vom Bruder des letzten Markgrafen von Steyr abstammten.

Die Familien Losenstein & Starhemberg reichten daher bei Kaiser Maximilian II. ein Gesuch um „Restituierung und Wiedererhebung in den alten Grafenstand der Grafen von Steyr“ ein. Sie suchen also bewußt nicht um Erhebung sondern um Wiedererhebung in den Grafenstand an.

Sie erwirkten daher aufgrund dieses Umstandes, zusammen mit Ihrem Brudergeschlecht der Starhemberger, die Wiedererhebung in den GRAFENSTAND (an Wolf Sigmund von Losenstein) im Jahre 1629 durch Kaiser Ferdinand II.

Mehr als 60 Jahre später, wurden die Losensteiner schließlich von Kaiser Leopold I. auch noch 1690 in den FÜRSTENSTAND (mit Franz Anton von Losenstein) erhoben.

Das Wappen der Losensteiner

Das Wappen der Losensteiner mit seinem symbolisierten Panther geht zurück auf die steirischen Otakare (Markgrafen, später Herzöge der Steiermark aus dem Geschlecht der Traungauer) welche ihren Stammsitz in Steyr hatten. Deren Wappen war (seit dem 13. Jhd. unter den Babenbergern) ein silberner Panther auf grünem Grund.

Die ursprüngliche Tintur zu Beginn war allerdings ein schwarzer Panther auf silbernen Grund (Das Silber dürfte früher ein Fell gewesen sein, auf dem man einen aus Leder ausgeschnittenen Panther aufgenagelt hat. Wie es im 13. Jhd. zum Tinkturwechsel gekommen ist weiß man nicht – vermutlich durch Mutation von Farben (danke an Hr. Cajetan Gril du Guern für diese Ausführungen)

Wappen der steirischen Otakare noch heute im Landeswappen der Steiermark (siehe oben) und im Stadtwappen dessen alter Hauptstadt Steyr

Der Bruder des letzten Markgrafen Otokars – During d. Ältere – hatte vier Söhne, dessen nachkommende Familien sich später nicht mehr von Steyr sondern nach deren neuen Sitzen nannten. Sie übernahmen das Wappentier Ihrer Vorfahren in verschiedenen Ausführungen. Es waren dies die Herren

von Hohenberg

seit Mitte 13. Jhd.

weißer Panther auf schwarzem Feld

von Perneck

seit Mitte 13. Jhd.

schwarzer Panther auf weißem Feld

von Starhemberg

(seit ca. 1240)

blauer Panther auf silbernem Feld

von Losenstein

(seit 1252)

gelber Panther auf blauem Feld

Als 1252 Dietmar von Steyr (der 1. Herr von Losenstein) die Herrschaft Losenstein von König Ottokar II. Przemysl im Tausch für die Stadt Steyr erhielt, wurde das Wappentier übernommen und ziert seither auf blauem Grund das Wappen der Herren von Losenstein.

 

Das Losensteiner Wappen im Verlauf der Geschichte

Das erste Mal scheint das Losensteiner Wappen auf einer Urkunde des Klosters Admont am 12. September 1293 mit Gundakar III. auf. Hier wird der „wachsende Panther“ im geteilten Schild auf der oberen Hälfte gezeigt. Bereits ab dem Jahr 1313 (genauer am 1.3.1313) erscheint der Panther aber mit dem Wappen Johannis de Losenstain in ganzer Gestalt. (Stiftsarchiv Lambach, Urk.Nr. 153)

In den folgenden Jahren hat sich das Erscheinungsbild des Wappens mehrfach verändert bzw. wurde erweitert. So lässt sich die Entwicklung des Wappens wie folgt verfolgen:

1. Einen Panther.

Darüber das Kleinod: Hörnerpaar samt Ohren
Nach dem Grabmal Bertholds I. +1355 in der Losensteiner Kapelle in Garsten

2. Wappen in Blau, Panther silbern.

Nach einem Wappen Dietmar III. im Wiener Minoriten Nekrolog.

3. Schild in Blau, Panther golden

wie in 2., aber Panther punktiert; aus Rachen und Nüstern Flammen sprühend
Nach dem Wappen der Reichildis von Losenstein, einer Tochter Gundakers II. im Wiener Minoriten-Nekrolog

4. Ein gehörnter Panther, aus Rachen und Nüstern Flammen sprühend.

Kleinod: Hörnerpaar samt Ohren, dazwischen Panther wacsend.
Nach dem Grabmal Florians I. von Losenstein zu Garsten. Den gehörnten und Flammen sprühenden Panther führe bereits sein Urgroßvater Gundaker II. ca. 1330

5. ist ein gebessertes Wappen

basiernd auf dem Allianzwappen der Familien Losenstein und Zelcking nach der Hochzeit des Bernhard I. von Losenstein mit Anna von Zelcking (mit der die Schallaburg zu den Losensteinern kam.

Das Wappen ist geviertelt und zeigt in Feld 1 + 4 einen goldenen Panther auf blauem Grund (der Losensteiner Panther) und in Feld 2 + 3 einen geteilten Löwen (als Zeichen derer von Zelcking). Links oben die Helmzier der Losensteiner, rechts oben jenes der von Zelcking
Dieses Allianzwappen wurde ab diesem Zeitpunkt von den meisten Nachkommen des Bernhard von Losenstein geführt.

Das Wappenbild ist heute noch in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens sichtbar. Nicht nur im Gemeindewappen der Ortschaft Losenstein.

Insgesamt tragen 7 Gemeinden in OÖ & NÖ immer noch den Panther der Losensteiner auf blauem Grund in Ihren Gemeindewappen!

Das ist nicht zufällig sondern hat jeweils einen geschichtlichen Hintergrund als die Losensteiner höchst aktiv das politische und gesellschaftliche Leben in Ober- & Niederösterreich prägten. Hier die Details:

Gemeinde Losenstein

Auszug aus der offiziellen Wappenbeschreibung:
…der geminderte Panther weist auf das Wappentier der Losensteiner hin, welche hier seit dem 13. Jhd. sesshaft waren und das im Jahr 1692 im Mannesstamm erlosch…

Gemeinde Wolfern

Auszug aus der Wappenbeschreibung:
…auf der rechten Seite das Wappen der Losensteiner, die das 1362 erworbene “Lehen an der Leiten” zum Schloss Losensteinleiten ausbauten und schließlich den Sitz des Landesgerichtes von ihrer alten Stammburg im Ennstal hierher übertrugen…

Gemeinde Neuhofen/Krems

Auszug aus der offiziellen Wappenbeschreibung:
…der goldene Panther in Blau ist das Wappen der Losensteiner, die von 1526 bis 1692 Besitzer der Herrschaft Gschwendt und damit auch des Marktes Neuhofen waren…

Gemeinde Waizenkirchen

Auszug aus der offiziellen Wappenbeschreibung:
…der goldene Panther in Blau deutet auf Georg Achaz von Losenstein, der als damaliger Inhaber der Herrschaft Weidenholz (heute Schloss Weidenholz in Waizenkirchen; Anm.) die Markterhebung und Wappenverleihung vom Kaiser erwirkte…

Gemeinde Garsten

Auszug aus der offiziellen Wappenbeschreibung:
…In der Neuzeit, da die Herren von Losenstein als alleinige Vögte von Garsten größere Bedeutung erlangten, wechselte die Farbe des Panthers im Stiftswappen analog dem Wappen dieses Geschlechtes von Silber auf Gold….

Gemeinde Loosdorf (NÖ)

Auszug aus der offiziellen Wappenbeschreibung:
…Die Wappenverleihung fand am 6. Oktober 1590 durch und auf Initiative des Grundherrn Hans Wilhelm von Losenstein statt, der Loosdorf zum Markt erheben ließ und  zu einem protes-tantischen Zentrum mit Schulen und Einrichtungen ausbaute…

Gemeinde Mörschwang

Auszug aus der offiziellen Wappenbeschreibung:
…der Panther gründet sich auf das in die Grabplatte für Johanna, Tochter des Hartneid I. von Losenstein, Enkelin Lienharts von Marsbach, eingeritzte Allianzwappen Seiboldsdorf/Losenstein in der Pfarrkirche von Mörschwang……

Die Burgen

Zum jeztigen Wissensstand zählte das Geschlecht der Losensteiner fast 30 Burgen, Schlösser und Palais ihr Eigen. Natürlich nicht alle gleichzeitg, sondern mit teils raschen Besitzwechseln. Neben den Burgen in Österreich zählten auch vier in Bayern und eines in Nordböhmen zum Besitz.

Die Losensteiner wurden auch oft "Habsburger im Kleinen" genannt, weil sie viele Ihrer Güter, Ländereien und Burgen durch Heirat oder Erbschaft erlangten

Der Machtbereich erstreckte sich vornehmlich entlang der Donau und den damaligen Hauptverkehrsrouten nach Bayern & Böhmen. Die Burgen waren Lehen der Herzöge von Österreich, Steiermark, der Bischöfe von Passau und Salzburg.

 

Die Hauptburgen

Zu den Hauptburgen (also ständigen Wohnsitzen) gehörten neben der Stammburg Losenstein (welche ab ca. 1420) verlassen wurde folgende Anlagen:

×

Die Nebenburgen

Die Nebenburgen, also jene die die Losensteiner zu Lehen hatten aber nicht wirklich darin dauerhaft residierten, sind in ganz Österreich (vornehmlich im jetzt ober- & niederösterreichischen Raum verteilt. Sie besaßen diese oft nur wenige Jahre, manche wiederum über 100 Jahre.
 
Nachstehende Übersichtskarte zeigt die Lage sämtlicher Losensteiner Burgen & Schlösser. Blau markiert die oben angeführten Hauptburgen, und rot markiert die weiter unten beschriebenen Nebenburgen. Mit einem Klick auf die Grafik erhaltet Ihr auch die Zeitschiene der Besitzdauer:

🏰 Oberösterreich

Burg Kremsegg

Kremsegg war um das Jahr 1230 zu 2/3 ein landesfürstliches Lehen, während das restliche Drittel von den Losensteinern verliehen wurde.

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Burg Rechberg (auch Rehberg)

Rechberg kam nach dem Aussterben der Rechberger um 1330 an die Losensteiner.

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Burg Rohr

Mitte des 14. Jahrhunderts wird Rohr an Berthold I. von Losenstein verpfändet.

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Burg Rosenegg/Steyr

Hartneid von Losenstein schenkte 1383 seinen freieigenen Besitz dem Kloster Garsten.

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Burg Klingenberg

Auf Lassla Prager folgten 1524 Achaz von Losenstein und wenige Jahre später die Familie Khrembser aus Steyr.

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Burg Würting

Nach dem Tod des letzten Pergheimers erbte dessen Tochter Christine, die mit Wolf Siegmund von Losenstein verheiratet war, den Besitz.

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Burg Weidenholz

Dessen Schwiegersohn Georg Achaz von Losenstein beerbte ihn 1592.

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🏰 Niederösterreich

Schloss St. Peter/Au

Ab 1621 befand sich St. Peter im Besitz der Gräfin Katharina von Losenstein.

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Burg Litschau

Die Herrschaftsinhaber (u. a. Losenstein, Poiger, Kuefstein) wechselten nun relativ rasch.

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Burg Krummnussbaum

Der damalige Amthof gehörte den Herren von Losenstein.

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Burg Liebenstein

Am 1433 erhielt Berthold von Losenstein diese Festung vom Bischof Leonhard von Passau zum Lehen und als Erbgut.

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Burg Weissenburg

Nach 1526 kam Weissenberg an die Losensteiner auf der Schallaburg.

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Burg Sichtenberg

Hans Wilhelm von Losenstein, der Herr und Erbauer des Renaissancehofes der Schallaburg nannte sich 1596 auch nach Sichtenberg.

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Burg Zagging

Im Besitz der Losensteiner.

Burg Rabenstein/Pielach

So war um 1339 Berthold von Losenstein Pfleger auf Rabenstein.

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Burg Wolfsberg

1368 übergab Rudolf Losenstein seinen freieigenen Hof dem Landesfürsten und bekam ihn anschließend als Lehen wieder zurück.

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Burg Sitzenberg

1687 erwarb Franz Anton Graf von Losenstein das Schloss.

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🏰 Kärnten

Burg Rosegg

Danach kam Rosegg an die Herren von Perkheim und dann durch Heirat an Georg Achaz von Losenstein.

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🏰 Steiermark

Burg Frondsberg

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts gelangten Anteile an Frondsberg an die Losensteiner.

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🏛️ Wien

Palais Porcia

1592 ging es an die Familien Hofkirchen/Losenstein über, bei der es bis 1627 blieb.

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Schloss Süssenbrunn

Ab 1622 im Besitz der Losenstein.

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🏰 Bayern

Burg Halmberg

Im Besitz der Losensteiner.

Schloss Tettelheim

Im Besitz der Losensteiner.

Schloss Gebelkofen

Im Besitz der Losensteiner.

Burg Dobl (Engelsberg)

Danach war die Engelsberg im Besitz des Gregors, Herr von Losenstein.

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🏰 Böhmen

Burg Geiersberg/Letohrad

Bei seiner erzwungenen Emigration 1629 übertrug er die Besitzungen seinem einzigen Enkel Wolf Georg von Losenstein.

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Erzherzog Ferdinand I. bei dessen Hochzeit das Turnier abgehalten wurde

Über diesen Vorfall wurde von Erzherzog Ferdinand eine Originalurkunde verfasst, dessen Wortlaut mit allen Details in folgendem Dokument (ab Seite 7 – Mitte) nachgelesen werden kann.

Das Losensteiner Turnier

Diese wohl berühmteste historisch belegte Begebenheit mit den Herren von Losenstein beschreibt ein Turnier, welches anläßlich der Hochzeit des österr. Erzherzogs Ferdinand I. mit Anna von Ungarn ausgetragen wurde. Dieses Turnier wurde auf dem heutigen Linzer Stadtplatz ausgetragen und erregte damals großes Aufsehen.

Dabei errang Sebastian von Losenstein am 25.05.1521 einen denkwürdigen Sieg gegen einen spanischen Ritter.

Die überlieferte Beschreibung des Turniers findet Ihr hier:

Am Dreifaltigkeitssonntag des Jahres 1521 hielt Ferdinand I., Infant von Spanien, mit Anna, Königin von Ungarn und Böhmen, in Linz große Hochzeit. Das für Österreichs Zukunft so entscheidende Fest war auch mit allerlei ritterlichen Waffenspielen verbunden. Dabei schmähte ein spanischer Grande die deutsche Ritterschaft, ja forderte sie schließlich durch ein am Rathaus angeschlagenes, beleidigendes „Cartell“ zum Kampf auf Leben und Tod heraus. Sebastian von Losenstein nahm den Fehdehandschuh auf. Beide Streitteile verglichen sich über Tag, Stunde und Einzelheiten des Zweikampfes.

Am 25. Mai zog der Spanier mit großem Prunk und zahlreichem Gefolge durch das Donautor auf den Hauptplatz ein, wo der Kampf stattfinden sollte. Der Herr von Losenstein kam mit nur wenigen Beiständen aus der Klostergasse heraus. Vier Herolde mit rot-weiß gestrichenen Stäben schritten ihm voran. Beide Streiter tummelten zunächst ihre Rosse, setzten dann die Helme auf und stellten sich zum Kampfe. Vor den Turnierschranken war eine Bühne für die zusehenden hohen Herren wie ihre Damen aufgebaut. Die neugierige Volksmenge füllte den Platz bis auf das letzte Fleckchen.

Sebastian von Losenstein (in schwarzer Rüstung rechts mit dem schweren Bihänder) gegen den unbekannten spanischen Herausforderer (in weiß). Gut zu sehen auch das schwarze Pferd des Losensteiners, welches sich in die Nüstern des gegn. Pferdes verbiss...

Zuerst rannten die Gegner mit Spießen gegeneinander. Sie fehlten beide. Darauf griffen sie zum Schwerte. Der körperlich weit überlegene Spanier bedrängte den Oberösterreicher mit Stichen und Schlägen so hart, daß er sich anscheinend kaum mehr mit dem Schild decken konnte. Seine Beistände meinten schon, er sei verloren. Da riß der Losensteiner seinem Hengst den Maulkorb herunter, rief ihm ein Stichwort zu und ließ ihm die Zügel schießen. Sofort verbiß sich das Roß in die Nüstern des spanischen Pferdes und hielt es fest.

Der Losensteiner, welcher bisher seine Kräfte klug geschont hatte, schwang nun mit Macht den Bihänder, hieb dem Spanier den Helm ab, verwundete ihn schwer und hätte ihn auch auf der Stelle getötet, wenn Ferdinand nicht rasch Frieden geboten und Sebastian von Losenstein als Sieger erklärt hätte. Umjubelt von der Menge zog der Sieger ab, nicht ohne erbittert laut zu bemerken, der König habe zu seinen Gunsten nicht eingegriffen, als der Kampf für ihn schlecht stand.

Sebastians Rüstung in heutiger Zeit

Teile der Rüstung, die Sebastian von Losenstein bei diesem Turnier trug, können auch heute noch bestaunt werden. Sie sind zwar nicht an einem Ort gesammelt, doch zeigen wir Euch wo wir diese Teile heute findet:

 

Sein Helm
Den Helm, den Sebastian von Losenstein bei diesem Turnier getragen hatte, wurde zu Ehren des großartigen Sieges vergoldet und hängt seit seinem Tod in der Grabstätte der Losensteiner – der sog. Losensteiner Kapelle zwischen den Denkmälern von Georg und Dietmar V. an der Wand.

Sein Schwert
Das Schwert, das Sebastian bei diesem Turnier trug, befindet sich heute im historischen Waffensaal des Schloßmuseum Linz und kann dort jederzeit unter der Inventarnummer C0392 besichtigt werden. Es handelt sich hierbei um einen Bihänder Schweizer Machart.

Dankenswerterweise fertigte das Schloßmuseum Aufnahmen dieses Schwertes für uns an.

Seine Pferderüstung
Im Landeszeughaus in Graz steht die berühmte „Losensteiner Pferderrüstung“ als eines der wertvollsten Exponate. Historische Forschungen gehen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass diese Rüstung – welche Sebastian von Losenstein von dessen Vater Wilhelm von Losenstein erhielt – im berühmten „Losensteiner Turnier“ zu Linz verwendete.

Geschichten

In der öffentlichen Wahrnehmung sind Geschichten & Sagen über die Losensteiner leider nicht sonderlich präsent. In dieser Rubrik wollen wir einige dieser Episoden wieder ans Licht bringen und vielleicht erzählt man sich künftig wieder die ein oder andere Geschichte über die Losensteiner die bis dato jahrhundertelang in Archiven „vergraben“ lag. Viel Vergnügen!

Prügelei unter Mönchen
1351

Prügelei unter Mönchen

Berthold von Losenstein verprügelte mehrere Mitbrüder so heftig, dass es zu Blutvergießen kam...

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Plünderung Aigen & Schlägl
1352

Plünderung Aigen & Schlägl

Eine wilde Geschichte über Raubzüge und mittelalterliche Rechtsprechung...

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Hartneid & der Klosterbrand
1371

Hartneid & der Klosterbrand

Aus Wut über kalte Speisen zündete Hartneid den Maierhof des Klosters an...

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Die Fehde um Frondsberg
1402

Die Fehde um Frondsberg

Ein blutiger Konflikt um Macht und Besitz im frühen 15. Jahrhundert...

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Der Kutscher von Göttweig
1509

Der Kutscher von Göttweig

Eine mysteriöse Geschichte über einen nächtlichen Vorfall...

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Wolf der Raubritter
1520

Wolf der Raubritter

Wolf von Losenstein terrorisierte die Handelswege und plünderte Kaufleute...

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Das Losensteiner Turnier
1521

Das Losensteiner Turnier

Der legendäre Sieg Sebastian von Losensteins gegen einen spanischen Grande...

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Die Türkenflucht
1529

Die Türkenflucht

Während der ersten Türkenbelagerung flohen die Losensteiner...

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Der Schütze von Losensteinleithen
1532

Der Schütze von Losensteinleithen

Ein meisterhafter Bogenschütze verteidigte das Schloss gegen Angreifer...

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Der Ohrfeigenprozess
1588

Der Ohrfeigenprozess

Wolf Sigmund ohrfeigte einen Gast bei einer Hochzeit - es folgte ein jahrelanger Prozess...

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Biographien der Losensteiner

Die Losensteiner gehörten gerade im Hoch- & Spätmittelalter zu einem der einflussreichsten Geschlechter mit zahlreichen wichtigen Positionen in Kirche und Staat. Hier finden Sie detaillierte Lebensbeschreibungen bedeutender Persönlichkeiten aus den Reihen der Herren von Losenstein.

1
Leider kein Porträt vorhanden
1315-1370

Gundacker IV. von Losenstein

Stadtpfarrer von Linz (1348-1371)

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2
Leider kein Porträt vorhanden
1320-1390

Berthold II. von Losenstein

Stadtpfarrer von Salzburg

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3
Leider kein Porträt vorhanden
1440-1509

Georg I. von Losenstein

Landeshauptmann der Steiermark (1491-1494) & Oberösterreich (1494-1501)

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4
Dietmar V. von Losenstein
1510-1577

Dietmar V. von Losenstein

Landeshauptmann von Oberösterreich (1571-1577)

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5
Wolf Sigmund von Losenstein
1567-1626

Wolf Sigmund von Losenstein

Obersthofmarschall zweier Kaiser, Reichshofrat, Oberstjägermeister & Kämmerer

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6
Leider kein Porträt vorhanden
1525-1558

Christoph II. von Losenstein

Hauptmann der Leibgarde von Kaiser Maximilian II., Reichshofrat von Kaiser Ferdinand I.

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7
Hans Wilhelm von Losenstein
1546-1601

Hans Wilhelm von Losenstein

Begründer der Hohen Schule Loosdorf, Architekt des Renaissanceumbaus der Schallaburg

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8
Leider kein Porträt vorhanden
1545-1597

Georg Achaz I. von Losenstein

Reichshofrat von Kaiser Rudolf II., Architekt des Renaissanceumbaus Losensteinleithen

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9
Leider kein Porträt vorhanden
1660-1685

Johann Georg Franz Adam von Losenstein

Rittmeister im Taffischen Regiment - Letzter zeugungsfähiger Losensteiner (im Duell verstorben)

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10
Franz Anton, Fürst von Losenstein
1642-1692

Franz Anton, Fürst von Losenstein

Coadjutor von Olmütz, Titularbischof von Dura, Dompropst von Passau - Der letzte Losensteiner

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Stammbaum

1. Generation – Die Begründer
Richer v. Steyr
Ältester nachweisbarer Vorfahre
† vor 1118

Stammvater der Losensteiner. Herr von Steyr, dessen Urenkel Dietmar I. sich dauerhaft nach Losenstein benannte.

Kinder: 2 Kinder: During I. und Gundaccer I.
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2. Generation – Vogt von Garsten
Gundaccer I.
Vogt von Garsten & Graf von Steyr
† 1204

Urkundlich erwähnt 1150 und 1180. Ihm wurde Steyr zur Burghut anvertraut.

⚬ Richezza von Steinbach
Kinder: 3 Kinder, darunter Gundakar II. von Steyr
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3. & 4. Generation
Gundacker III.
Herr von Steyr
* ~1230

Steirischer Ministeriale, erhielt die Burg Losenstein als landesfürstliches Lehen der Babenberger.

Kinder: 2 Kinder: Gundakar IV. und Dietmar I.
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Dietmar I. – Stammvater der Losensteiner
Dietmar I.
1. Herr von Losenstein
* ~1230 † 1260

Ab ihm nannten sich alle Nachfahren „von Losenstein". 1252 erhielt er Burg und Herrschaft Losenstein als freies Eigen! Begraben im Minoritenkloster Wien.

⚬ Gutta († 1296)
Kinder: 5 Kinder, darunter Gundaccar IV., During II., Otto, Ulrich und Dietmar II.
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Dietmar II. – Erste Bewohner der Burg
Dietmar II.
Herr von Losenstein
* ~1250 † ~1305

Zog als erster dauerhaft nach Losenstein. Urkundlich erwähnt 1284, 1304.

⚬ Offina od. Euphemia von Eberstorf
Kinder: 11 Kinder, darunter Dietmar III., Perchtold I., Rudolf I., Gundacker II., Dietrich I. und Hartneid I.
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Die Söhne Dietmars II.
Perchtold I.
Herr von Losenstein & Gschwendt
* ~1295 † 1355

Erbte 1347 die Hälfte von Schloss und Herrschaft Gschwendt. Seit 1339 herzöglicher Burggraf auf der Veste Rabenstein.

⚬ Margret Tursin von Raucheneck
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Rudolf I.
Herr von Losenstein und Zagging
* ~1300 † n.1378

Erhielt 1329 mit seinen Brüdern einen Teil der Burg Frondsberg zu Lehen. Erwarb 1354 die Herrschaft Zacking.

⚬ Agnes von Hohenberg (1. Ehe), Magdalena von Pollhaim (2. Ehe)
Kinder: Sohn Peter, Anna, Sophie, Berthold II.
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Gundacker II. (der Jüngere)
Herr von Losenstein & Gschwendt
* ~1280 † n.1347

Erhielt 1347 die andere Hälfte von Schloss Gschwendt.

⚬ 1303 Adelhaid von Mistelbach
Kinder: 5 Kinder: Reichildis, Anna, Dietmar IV., Berchtold III., Gundacker III.
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Dietrich I.
Herr von Losenstein
* ~1300 † n.1378

Erwarb 1362 das „Gut an der Leithen", das später zum Schloss Losensteinleithen ausgebaut wurde.

⚬ Margaretha von Hohenberg
Kinder: Dietrich II., Anna, Adelhaid
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Hartneid I.
Herr von Losenstein
* ~1300 † 1344

Erhielt 1329 mit Brüdern Teil der Burg Frondsberg. Begraben in der Familiengruft im Kloster Garsten.

⚬ Agnes von Marspach
Kinder: 7 Kinder, darunter Anna (Gründerin Stift Säusenstein) und Hartneid II.
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Hartneid II. – Letzter Burgherr
Hartneid II.
Herr von Losenstein
* 1344 † n.1387

Berüchtigt: Am 13.12.1372 ließ er aus Wut den Meierhof des Klosters Garsten anzünden, weil man ihm nichts Warmes zu essen anbot!

⚬ 1364 Agnes von Polheim (1. Ehe), 1383 Margaretha von Falkenstein (2. Ehe)
Kinder: 3 Kinder: Barbara, Anna, Bernhard I.
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Bernhard I. – Ende der Ära
Bernhard I.
Herr von Losenstein zu Losensteinleithen
* ~1368 † 1434

Letzter Losensteiner auf der Burg! 1425 erbte er die Schallaburg. 1409–1433 baute er das Gut an der Leithen zum Schloss Losensteinleithen aus. Ab 1430 wurde die Burg nur noch von Pflegern verwaltet.

⚬ 1395 Anna von Zelking (1. Ehe), 1410 Beatrix von Wächingen (2. Ehe)
Kinder: 7 Kinder: Catharina, Peter, Perchtold IV., Barbara, Hartneid III., Florian (Begründer Linie Schallaburg), Rudolf II. (Begründer Linie Gschwendt)
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Legende
Gründerfigur / besondere Bedeutung
👑
Hauptlinie der Losensteiner
Nebenlinie / Seitenlinie

Die Spuren der Losensteiner

Neben all den Burgen & Schlössern die die Losensteiner besessen haben, finden sich noch heute an vielen Orten Spuren der Losensteiner, manche deutlich sichtbar, manche verborgen. Auf dieser Seite möchten wir Euch virtuell zu diesen Orten führen.

1

Das Freihaus Losenstein

Linz / OÖ

Ein repräsentatives Stadtpalais der Losensteiner in der Landeshauptstadt Oberösterreichs.

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2

Die Grabplatte Johannas von Losenstein

Mörschwang / OÖ

Eine historische Grabplatte, die an eine Angehörige der Losensteiner Familie erinnert.

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3

Palais Porcia

Wien

Ein prächtiges Wiener Stadtpalais mit Losensteiner Vergangenheit.

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4

Gemeindewappen

OÖ & NÖ

Das Wappen der Losensteiner findet sich in mehreren Gemeindewappen wieder.

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5

Stift Säusenstein

Säusenstein/NÖ

Ein von den Losensteinern gegründetes Kloster an der Donau.

Spur erkunden
6

Die Hohe Schule

Loosdorf/NÖ

Eine Bildungseinrichtung mit Verbindung zu den Losensteinern.

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7

Turniere des Kaisers

Linz

Losensteiner Ritter nahmen an prächtigen Ritterturnieren teil.

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8

Losensteiner Studenten

Italien/Schweiz

Junge Losensteiner studierten an den besten Universitäten Europas.

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9

Losensteiner Hofdamen

Wien

Töchter der Losensteiner dienten als Hofdamen am Wiener Kaiserhof.

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10

Dominikanerhaus Steyr

Steyr

Die Losensteiner unterstützten das Dominikanerkloster in ihrer Heimatstadt.

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11

Der verschwundene Garten

Losensteinleithen

Ein prächtiger Renaissancegarten beim Schloss Losensteinleithen.

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12

Wallfahrtskirche Maria Laah

Maria Laah

Eine von den Losensteinern geförderte Wallfahrtskirche.

Spur erkunden
13

Losensteiner Pferderüstung

Graz

Ein prachtvoller Rossharnisch aus dem Besitz der Losensteiner.

Spur erkunden
14

Wiener Häuser

Wien

Stadtpalais und Residenzen der Losensteiner in der Kaiserstadt.

Spur erkunden
15

Der Losensteiner Weinlesehof

Weissenkirchen

Ein historischer Weinlesehof in der Wachau.

Spur erkunden
16

Steyrer Häuser

Steyr

Immobilienbesitz der Losensteiner in ihrer Heimatstadt.

Spur erkunden

Die Losensteiner Kapelle

Die Losensteiner waren von Beginn an immer eng mit dem Kloster Garsten, als geistliche Macht in ihrem Territorium, verbunden. So ist es auch wenig verwunderlich, dass gerade eine kleine Kapelle in der Anlage des Klosters Garsten als ständige Grabstätte der Losensteiner auserwählt wurde.

Die ursprüngliche Kapelle selbst wurde weit vor der Gründung Garstens errichtet und war dem hl. Laurentius geweiht. Manche vermuten gar, dass jene Kapelle die Urkirche von Garsten, noch vor Errichtung des Klosters war.

Innenraum der Losensteiner Kapelle

Blick in den Innenraum mit prachtvollem Deckengemälde

Nachweislich seit 1347 bis zum Aussterben des letzten Losensteiners 1692 wurden nahezu alle Mitglieder dieses alten Adelsgeschlechtes hier begraben. Unabhängig davon wo sie starben.

Allein der berühmte Hans Wilhelm von Losenstein auf Schallaburg, welcher Loosdorf zu einem geistigen Zentrum ausbaute und dort auch die ev. Kirche errichtete, liegt bis heute in der Pfarrkirche von Loosdorf begraben. Erst 1974 wurde sein Grabmal in die romanische Schlosskapelle der Schallaburg übersiedelt. Das Hochgrab Hans Wilhelms von Losenstein ist ein besonderes Kunstwerk und gibt durch die biblischen Darstellungen ein bildhaftes Zeugnis der reformatorischen Zeit.

Grabplatte Hans Wilhelm von Losenstein

Die Grabplatte des Hochgrabes in der Schlosskapelle der Schallaburg trägt die nahezu vollplastische Figur des Hans Wilhelm von Losenstein, dargestellt in voller Rüstung. Sein Haupt ruht auf einem Kissen, die rechte Hand liegt auf der Bibel, die linke hält das Schwert. Zu Füßen des Ritters liegt ein Löwe.

Der Neubau der Kapelle (1683-1693)

Die Kapelle (geweiht dem hl. Laurentius) war einst viel kleiner als heute und stand ursprünglich abseits der alten Stiftskirche. Als aber im Jahr 1685 der barocke Neubau der Stiftskirche vor seiner Vollendung stand, entschied der damalige Abt Anselm, dass die damals schon etwas baufällige Losensteiner Kapelle nicht mehr zu dem neuen Prachtbau passe.

Darin bestärkt wurde er auch vom damals letzten noch lebenden männlichen Losensteiner - Reichsfürst Franz Anton von Losenstein, damals Dompropst zu Passau. Dieser ersuchte ebenfalls in einem Brief den Abt Anselm von Garsten, die Grabstätte seiner Familie gänzlich neu zu errichten und steuerte dazu 900 Gulden bei. Wenn man bedenkt, dass die gesamte Kapelle inkl. prachtvoller Ausstattung 1.260 Gulden kostete (davon 500 fl für das nackte Gebäude, 200 fl für den plastischen Schmuck der Gewölbe, 230 fl für die Stukkaturen aus Gipsmarmor am Altar, 130 fl für die Freskomalereien und 200 fl für das Altarbild des hl. Sebastian) eine beträchtliche Summe.

Abt Anselm ließ daher die alte Kapelle beginnend am 11.10.1683 abreißen und an derselben Stelle die heutige Kapelle errichten. (In den Annalen wird darüber übrigens mehrmals berichtet, dass dafür eine eigens konstruierte Maschine verwendet wurde, die den Abriss in nur 16 Tagen erledigte...). Die großen marmornen Denkmäler wurden davor behutsam auseinander genommen und sorgfältig aufbewahrt um in der neuen Kapelle wieder aufgestellt werden zu können. Grundsteinlegung für die neue Kapelle war sodann am 27.10.1683.

Franz Anton überwachte den Bau penibelst und ließ es sich auch nicht nehmen, Malereien und Stukkaturen die ihm nicht gefielen, wieder entfernen und neu errichten zu lassen.

Doch erlebte er dessen Fertigstellung 1693 nicht mehr, da er nur ein Jahr zuvor verstarb und als letzter Losensteiner offiziell hier in einem Kupfersarg in der Gruft unter der Kapelle beigesetzt wurde. Per Schiff wurde er in seinem Sarg von Wien hierher überstellt.

Am 29.09.1693 wurde die Kapelle schließlich vollendet und am 18.10.1693 wurden Altar und Kapelle von Abt Anselm und dem Passauer Diözesanbischof Kardinal Johann Phillip, Graf v. Lamberg - als Ehrerbietung für die treuen Dienste des letzten Losensteiners für das Bistum Passau - geweiht.

Die Gräber

Die Kapelle macht durch zahlreiche Fenstereinlässe, den in hellem Marmor gehaltenen Statuen und den prachtvollen Deckengemälden einen sehr freundlichen Eindruck. Dennoch war die Kapelle in erster Linie eine Grabstätte.

An der Wand aufgestellt finden sich dazu erst mal 12 Grabsteine sowie ist eine davon im Boden eingelassen. Daneben existieren noch zwei kleinere Grabsteine, welche ohne Inschrift sind, aber bereits aus dem 13. Jahrhundert stammen.

Ursprünglich waren alle diese Grabsteine im Boden der Kapelle eingelassen. In der Mitte der Kapelle - ebenfalls im Boden - war früher zudem ein Stein aus dem Jahr 1666 mit folgendem Text eingelassen:

D.O.M
Qui multis floruerunt saeculis,
Huc abierunt in cineres,
Ducali propagine,
toga sagoque inclyti,
Illustrissimi D. D. Comites a Losenstein.
Vah ut familia amplissima
exili clauditur urna;
Magna etiam morti pusilla sunt.
Quantuscunque sis viator
Pulvisculum te fore memineris

MDCLXVI

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Dem besten und größten Gott.
(D.O.M = Deo optimo maximo)
Die in vielen Jahrhunderten geblüht haben
hierher sind zur Asche (= zum Staub) gegangen
aus Feldherrengeschlecht
berühmt durch Ihr (vornehmes) Gewand und durch Ihr Buchenholz (Buchenwald?)
die vornehmsten von Gottes Gnaden Grafen von Losenstein
Ach! Wie eine hochberühmte Familie
in einer armseligen Urne eingeschlossen wird!
Große (bedeutende) Dinge sind für den Tod klein (unbedeutend)
Wie groß (bedeutend) du auch immer sein magst, Wanderer
Denk daran, dass Du ein Staubkorn sein wirst!

MDCLXVI = 1666

Nach diesem Stein führten Stufen hinunter zur Gruft. Heute kann diese nur noch durch eine schmale Öffnung mit einer Leiter erreicht werden.

Die Grabsteine in chronologischer Reihenfolge:

Die Monumente

Neben den fast 2m großen Grabplatten wurden für drei Losensteiner ganz besondere Denkmäler in der Kapelle gesetzt, welche auch schon in der alten Kapelle Platz fanden und hierher mitgenommen wurden:

1. Georg Achaz I. († 1597)

Dieser war kaiserlicher Hofrat und ein berühmter Geschäftsmann, der 1497 in Linz starb.

Monument Georg Achaz I

Auf einem gewaltigen roten Marmorsarkophag liegt in voller Rüstung, von einem Engel am Haupte gestützt, die marmorne Gestalt des Ritters. Über ihm, zu seiner Rechten, erhebt sich auf vier Kugeln ruhend, eine Pyramide mit einem Ovalschild an der Stirnseite und zu seinen Füßen steht ein marmornes, großes Kreuz. Eine marmorne Reliefplatte stellt diesen Ritter mit seiner Gemahlin Christine von Perkhaim und seinen Söhnen Georg Christoph II. und Wolf Christoph am Lebensbrunnen dar; aus der Seitenwunde Jesu entspringen die Wasser des Lebens.

2. Georg († 1557) und 3. Dietmar V. († 1577)

Monumente Georg und Dietmar V

Gegenüber dem Monument von Georg Achaz I. stehen zwei Grabmäler mit überlebensgroßen Standbildern der verstorbenen Söhne des berüchtigten Wolf von Losenstein. Zu beiden Seiten der Standbilder streben Pyramiden zur Höhe, deren Sockeln mit Basreliefs aus dem kriegerischen Leben der beiden Ritter geschmückt sind.

Die beiden Basreliefs des ersten Denkmals von Georg zeigen die Seeschlacht von Lepanto und die Erstürmung einer Veste bei welchen er beteiligt war. Der Sockel ist auch geziert mit einem Relief, darstellend die Erschaffung von Eva und Ende der Menschheit.

Auf dem zweiten Grabmal von Dietmar V. erblicken wir die Belagerung von Wien und die Eroberung von Esseck. Darunter ein Reliefbild mit Ritter Dietmar v. Losenstein, seinen drei Frauen (Martha v. Liechtenstein, Euphemia von Hohenfeld, Helene von Herberstein) und den 15 Kindern:

Familie Dietmar V

In der Mitte zwischen beiden Denkmalen ist ein vergoldeter Helm aufgehangen, den einst Sebastian von Losenstein beim berühmten Losensteiner Turnier in Linz anno 1521 getragen haben soll:

Turnier Helm

Die Gruft

Die Gruft der Losensteiner Kapelle ist über eine kleine 100x50cm große Luke vor dem Altar mit einer Leiter erreichbar. Sie ist klein und schmucklos. Darin stehen insgesamt sieben Särge an den Wänden:

Die Gruft

In einem dieser Zinnsärge wurden im 19. Jahrhundert drei Leichen des 17. und 18. Jahrhunderts zusammengelegt. Und zwar waren dies Achaz von Losenstein († 1653), Fürstin Maria Theresia v. Losenstein, Herzogin zu Münsterberg und Frankenstein († 1741) und Franz Karl von Losenstein.

Im großen Kupfersarg (im Bild rechts oben) liegt der letzte männliche Losensteiner - Reichsfürst Franz Anton von Losenstein († 1692) begraben. Die anderen Särge haben keine Inschrift und man weiß daher nicht mehr, welcher Losensteiner darin gebettet liegt.

Die Losensteiner Kapelle misst 17,3m in der Länge und 7,39m in der Breite mit einer Höhe von 8,70m. Der Bau stammt vom berühmten Architekten und Baumeister Carlo Antonio CARLONE, während das herrliche Stukkokleid an den Wänden und im Gewälbe seine Brüder Giovanni Battista und Bartolomeo geschaffen haben.

Das Deckengemälde stellt die Schrecken der Pest, die Marter des Diakons Laurentius und des hl. Florian dar, sie sind allesamt Werke des Jean Pierre des Buffier, der sie 1687 ausführte. Das Altarbild entstammt dem Pinsel Reselfedts und stellt die hl. Irene bei der Wundwaschung des Märtyrers Sebastian dar. Das Rundbild darüber zeigt die hl. Rosalie.

Besichtigungsmöglichkeiten:

Wegen den Sicherheitsbestimmungen des direkt angrenzenden benachbarten Gefängnisses nur kurz vor oder kurz nach den Wochentagsmessen geöffnet die dort abgehalten werden. Auf Anfrage in der Pfarrkanzlei von Garsten kann die Kapelle aber auch außerhalb dieser Zeiten besichtigt werden.

Am besten Parkmöglichkeit "Am Platzl" in 4451 Garsten aufsuchen.

Quellen:

Geschichte von Garsten nach alten & neuen Quellen von Arthofer Leopold 1929

Geschichte des Klosters Garstens & Gleink von Franz Xaver Pritz 1841

Mittheilungen der kk Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale, XI. Jahrgang, 1885

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Franz Anton, Fürst von und zu Losenstein

Die Losensteiner waren von Beginn an immer eng mit dem Kloster Garsten, als geistliche Macht in ihrem Territorium, verbunden. So ist es auch wenig verwunderlich, dass gerade eine kleine Kapelle in der Anlage des Klosters Garsten als ständige Grabstätte der Losensteiner auserwählt wurde.

Die ursprüngliche Kapelle selbst wurde weit vor der Gründung Garstens errichtet und war dem hl. Laurentius geweiht. Manche vermuten gar, dass jene Kapelle die Urkirche von Garsten, noch vor Errichtung des Klosters war.

Franz Anton von Losenstein

Franz Anton, Reichsfürst von Losenstein (1642-1692)

Dieser Bereich widmet sich dem letzten Losensteiner im Mannesstamm, mit dessen Tod im Jahre 1692 das uralte Adelsgeschlecht der Losensteiner endgültig erlosch.

Franz Anton war Dompropst zu Passau, Coadjutor von Olmütz und Titularbischof von Duria. Diese Biographie basiert auf einer Analyse seiner Person durch den bekannten Historiker Alfred A. Strnad (Innsbruck).

Geburt & Taufe

Franz Anton war der jüngste Sohn von insgesamt 16 Kindern des niederösterreichischen Landmarschalls Georg Achaz Graf von Losenstein zu Losensteinleithen und Gschwendt (1597-1653) und seiner dritten Ehefrau Franziska, geborene Gräfin von Mansfeld-Vorderort.

Er wurde 1642 in Wien geboren und am 12. Mai 1642 im Wiener Stephansdom getauft. Seine prominenten Taufpaten waren dabei der Wiener Fürstbischof Philipp Friedrich Graf von Breuner sowie Graf Johann Franz von Trautson und Gräfin Elisabeth von Mansfeld (seine Tante).

Ausbildung

Franz Anton war als jüngster Sproß seiner Familie für den geistlichen Stand vorgesehen und zeigte sich dazu lt. zeitgenössischen Quellen auch entschlossen.

Er absolvierte seine erste Ausbildung in der humanistischen Schule der Jesuiten in Wien und wurde im Alter von nur 17 Jahren gemeinsam mit dem späteren Fürsterzbischof von Prag - Graf Johann Joseph von Breuner - an das ebenfalls von den Jesuiten geführte Kollegium Germanicum-Hungaricum nach Rom entsandt.

Kollegium Germanicum

Dort beschäftigte er sich zwei Jahre lang mit dem philosophischen und dem kanonistischen Studium.

Werdegang

Nach seiner Rückkehr aus Rom brachte er es binnen kürzester Zeit zu einer Fülle geistlicher Würden und einträglicher Pfünde. So unter anderem die Pfarreien von Schörfling am Attersee, Zwentendorf, Stockerau und Ulrichskirchen (verbunden mit dem Dekanat von Pillichsdorf) sowie die Kanonikate an den Domstiften von Olmütz und Passau.

1673 stieg er zum Passauer Domprobst (= Leiter der äußeren Angelegenheiten des Domkapitels) unter dem Passauer Fürstbischof Sebastian Graf von Pötting (1673-1689) auf und war in diesem Amt unter anderem für die Einhaltung der Bestimmungen der bischöflichen Wahlkapitulation zuständig, an deren Erstellung er selbst mitbeteiligt war.

Ab dem 1. Februar 1684 übernahm er das einträgliche Amt eines Passauer Offizials für das Land unter der Enns (heute Niederösterreich) mit Amtssitz in der Kirche "Maria am Gestade" in Wien.

Maria am Gestade

Kirche "Maria am Gestade" im 1. Wiener Bezirk war Amtssitz von Franz Anton

Seine Aufgaben waren hier vorrangig Disziplinierungsmaßnahmen gegenüber dem Klerus und die Vertretung des Passauer Bischofs am kirchlich-religiösen Leben der Haupt- & Residenzstadt des heiligen römischen Reiches - Wien.

In der Zeit von 1677 bis 1684 war er als Dombaukommissar auch maßgeblich an der Barockausstattung des Wiener Stephansdoms beteiligt!

Im Jahr 1685 erhielt er noch die Probstei des Kollegiatstiftes Altötting in Niederbayern um danach sein größtes Ziel seiner Laufbahn anzustreben - den Bischofssitz des Erzbistums Olmütz (heute östl. Tschechien)

Der Höhepunkt

Am 17. April 1690 wurde Franz Anton von Losenstein vom Olmützer Klerus einstimmig zum Koadjutor und Nachfolger des regierenden Olmützer Fürstbischofs Karl, Graf von Lichtenstein-Kastelkorn gewählt. Dieser Fürstbischof war zu dieser Zeit schon von einer schweren Krankheit geprägt und schien sein Ableben nur noch eine Frage der Zeit.

Franz Anton mit Bischof

Franz Anton (links) neben dem Olmützer Fürstbischof Graf Karl von Lichtenstein-Kastelkorn

Kaiser Leopold I

Diese Wahl wurde schließlich am 27. November 1690 durch dem damaligen Papst Alexander VIII. bestätigt. Weiters erhielt er als Gunstbeweis vom Papst den Titularsitz des Bischofs von Dura (heutiges Tunesien).

Einen weiteren Gunstbeweis erhielt Franz Anton auch vom österr. Kaiser Leopold I., der

Franz Anton Graf von und zu Losenstein, Herrn zu Losensteinleithen, Gschwendt, Litschau, St. Peter in der Au, Gaiersberg und Süssenbrunn, als den letzten Mannessproß seines uralten Geschlechtes [...], mit dem Titel "Hochgeboren" in den Fürstenstand des Heiligen Römischen Reiches erhebt!

Das Ende

Doch noch bevor der amtierende Olmützer Bischof Karl Graf von Lichtenstein-Castelcorn - dessen Nachfolge er antreten sollte - am 23.09.1695 starb, hauchte auch Franz Anton Reichsfürst von Losenstein bereits drei Jahre zuvor, am 17. Juni 1692 sein Leben aus.

Er verstarb unerwartet und plötzlich mit nur 50 Jahren im Passauerhof zu Wien (heute Cobenzlgasse 9) als letzter des Geschlechts der Losensteiner.

Passauer Hof Wien

Hier verstarb der letzte Losensteiner im Jahr 1692
Der Passauer Hof ist der ehemalige Weinlesehof des Chorherrenstifts St. Nikola in Passau (heute Cobenzlgasse 9, 1190 Wien) und gehörte zum Verwaltungsbereich Franz Antons. Die dreiseitige Anlage wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet. Die Giebelhäuser stammen in ihrem Kern aus dem Spätmittelalter.

Sein Sarg wurde darauf mit dem Schiff über Donau und Enns bis nach Garsten gebracht, wo er in der uralten Grablege der Losensteiner - der sog. "Losensteiner Kapelle" - feierlich durch den Abt und das Konvent des Klosters Garsten beigesetzt wurde. Dieser schwere Kupfersarg ist heute noch in der Gruft der Kapelle zu besichtigen.

Er selbst ermöglichte dabei durch die großzügige Spende von 900 Gulden (Gesamtbaukosten 1.290 Gulden) die Neuerrichtung dieser Kapelle, mit welcher 1685 begonnen wurde und dessen künstlerische Gestaltung ebenfalls in seinen Händen lag. Nicht nur einmal mussten Stukkaturen abgeschlagen und Bilder erneuert werden, weil sie nicht dem Geschmack von Franz Anton entsprachen. Sein Wunsch war es auch, dass diese neu - auf den Grundfesten der alten Kapelle - errichtete Grabstätte dem hl. Sebastian geweiht wurde. Diesen Wunsch erfüllte ihm der damalige Abt postum am 18.10.1692.

Und erst über ein Jahr nach dem Tod des letzten Losensteiners, konnte am 29.09.1693 auch die Kapelle vollendet und vom Passauer Diözesanbischof geweiht werden.

Der größte Teil der Besitzungen und Lehen von Franz Anton (darunter Losensteinleithen und Gschwendt) ging danach an den Fürsten Franz Karl von Auersperg über, Sohn des Fürsten Johann Weikhard und der Gräfin Maria Katharina von Losenstein, einer Schwester Franz Antons, über.

Quellen:

Ecclesia Peregrinans, Josef Lenzenweger zum 70. Geburtstag, Seiten 209-221

regiowiki.pnp.de

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgeschützten_Objekte_in_Wien/Döbling

Wikipedia

Bildquelle Franz Anton: Österreichische Nationalbibliothek

Des Kaisers alte Schulden...

Die Herren von Losenstein brachten es im Laufe der Zeit zu großem Reichtum. Kaiser Matthias borgte sich von den Losensteinern in den Jahren 1613 bis 1621 die gigantische Summe von 318.130 Gulden aus.

(Zum Vergleich: Ein kleines Bauernhaus mit Grund kostete damals ca. 300 Gulden!)

Nach dem Tod des letzten männlichen Losensteiners musste der Kaiser die Schulden begleichen:

Rückgabe konfiszierter Güter:

Schloss Süssenbrunn
1622 konfisziert, zurückgegeben
-9.000 Gulden
Herrschaft Litschau
1631 konfisziert, rücküberschrieben
-135.535 Gulden
Maria Theresia v. Waldstein
Nichte, ausgezahlt am 2.5.1698
43.993 Gulden

Auszahlung an die Erben (je 21.600 Gulden):

Maria Theresia Eleonora
Gräfin von Puechhaim, geb. Losenstein (Schwester)
Maria Elisabeth
geb. Gräfin Khevenhüller, vereh. Gräfin v. Rappach (Nichte)
Maria Elisabetha
vereh. Gräfin v. Dietrichstein, geb. Freyin v. Hofmann (Nichte)
Maria Rosalia
vereh. Gräfin von Jörger, geb. Gräfin v. Losenstein (Schwester)
Kinder d. Maria Catharina
Fürstin v. Auersperg: Ferdinand, Franz Carl, Leopold u.a.
Kinder d. Anna Maria
Gräfin v. Herberstein, geb. Losenstein (Schwester)
Die letzte Teilsumme wurde am 28.11.1699 ausbezahlt.
Damit waren sämtliche Schulden des Kaiserhauses bei den Losensteinern getilgt!

Losensteiner und die Religion

Die Dynastie der Herren von Losenstein war seit Ihrem Beginn 1252 immer eng mit der Kirche verbunden. Dies lag auch daran, dass die Urbarmachung Ihres Herrschaftsbereiches vornehmlich durch das Benediktinerkloster Garsten vorangetrieben wurde und hier eine respektvolle Koexistenz zum Vorteil beider Seiten gereichte. Nicht zuletzt deshalb wurde die Kapelle im Kloster Garsten zur ewigen Grablege der Losensteiner auserkoren.

Die Losensteiner versorgten daher nicht nur das Kloster Garsten immer wieder mit zahlreichen Schenkungen und Lehen, sondern ließen der katholischen Kirche im Allgemeinen immer wieder bedeutende Güter zukommen. Zur Sicherung des eigenen Seelenheiles und (vor allem) erfolgversprechenden Gegengeschäften.

Zu den bekanntesten dieser Art gehörte beispielsweise die Mithilfe bei der Gründung des Dominikanerordens 1472 in Steyr sowie die berühmte „Kaplanstiftung“ für die Pfarrkirche Losenstein im Jahre 1339:

Quelle: monasterium.net

Sinngemäße Transkription:
Gundacker, Berthold, Hartneid, Rudolf, Dietreich und Ludwig von Losenstein
schenken dem Kloster Garsten den Gatterhof bei Rechberg mit allen Rechten.
Dafür verpflichtet sich das Kloster, für Losenstein einen Priester zu
stellen, der eine hl. Messe in der Burgkapelle und eine in der Kirche im Ort
zu halten hat. Zudem ist er verpflichtet, Andachten und andere
Gottesdienste, die aus alten Stiftungen stammen zu verrichten. Falls der
Kaplan seine Pflicht versäumt, wird die Schenkung rückgängig gemacht.

Der vielfach in adeligen Kreisen vorherrschende Gebrauch, jeweils zumindest einem Spross auch die geistliche Laufbahn einschlagen zu lassen, wurde auch bei den Losensteiner mehrfach praktiziert. Dabei gelang einigen Herren und Frauen von Losenstein eine durchaus beachtliche kirchliche Karriere. So war beispielsweise

1348 – 1371 Gundaker von Losenstein Stadtpfarrer von Linz
1360 – 1390 Berthold von Losenstein Stadtpfarrer von Salzburg 
1543 – 1551 Euphemia von Losenstein Äbtissin im Frauenkloster Traunkirchen

Die Lehre Martin Luthers

Als sich jedoch zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Lehre Martin Luthers in Mitteleuropa ausbreitete, fühlten sich auch die Losensteiner immer mehr zum Protestantismus hingezogen.
 
Sebastian von Losenstein (+1536), jener berühmte Ritter aus dem „Losensteiner Turnier“ welcher zu damaligen Zeit auf der Schallaburg residierte, gehörte zum Freundeskreis von Christoph II Jörger v. Tollet, welcher Unterricht bei Martin Luther in Wittenberg nahm und als glühender Protestant nach Österreich zurückkehrte. Auch Sebastian war deshalb schon früh der neuen Lehre zugeneigt, er zeigte aber noch keine nachweislichen Akzente bezüglich des neuen Glaubens.
 
Ganz anders verhielt es sich schon bei seinem Neffen Christoph II. v. Losenstein der ihm auf der Schallaburg nachfolgte. Er konnte 1546 in einem Vergleich mit den Herren von Zelking die Lehenschaft & Vogtei über die Pfarre Loosdorf erwerben und baute den Ort zu einem der bedeutensten Zentren des Protestantismus in Österreich aus. Sein Werk vollendete dessen Sohn Hans Wilhelm – ebenfalls einer der eifrigisten Verfechter des neuen Glaubens.
Errichtung der evangelischen Pfarrkirche Loosdorf durch Christoph II. & Hans-Wilhelm v. Losenstein
Auch die Losensteiner der Gschwendter Linie konnten spätestens mit Wolf Sigmund von Losenstein zu überzeugten Lutheranern gezählt werden. Doch wehte diesem bereits Anfang des 17. Jhd. der rauhe Wind der Gegenreformation entgegen, als sich beispielsweise der Abt des (katholischen) Klosters Garsten beharrlich weigerte, die evangelische Gattin Wolf Sigmunds nach Ihrem Tod 1616 in der Gruft der Losensteiner im Kloster Garsten zu begraben.  Nur die hervorragenden politischen Kontakte Wolf Sigmunds bis hinauf zum Kaiser konnten dies schlussendlich dennoch erreichen.
 
Doch schon 6 Jahre später, 1616, als Wolf Siegmunds eigene Gattin Susanna von Losenstein (geb. v. Roggendorf) starb, weigerte sich der Abt erneut, wandte sich aber diesmal an den Passauer Bischof und verweigerte bis zuletzt das Begräbnis. Der Kaiser konnte und wollte hier nicht mehr schlichtend eingreifen. Die Zeiten wurden härter, die Gegenreformation stand kurz bevor.

Das österr. Kaiserhaus war stets katholisch und es stellte sich im Zuge der Gegenreformation bald als vorteilhaft heraus, wieder zum katholischen Glauben zu konvertieren. Gerade Wolf Siegmund fürchtete um den drohenden Verlust seiner einflußreichen Stellungen am kaiserlichen Hofe. So konvertierte er und mit ihm seine Familie am 6. Januar 1622 wieder zum katholischen Glauben.

Errichtung der "Losensteiner Kapelle" als uralte Grablege der Losensteiner im Kloster Garsten (Neubau finanziert durch Franz Anton v. Losenstein)
Das (wieder) katholisches Wirken zeigte sich auch in der Übernahme der Wallfahrtskapelle Maria Laah (bei Wolfern), welche Wolf Siegmunds Sohn, Georg Achaz II v. Losenstein 1627 mit Dominikanermönchen aus Steyr besetzen ließ. Sein Sohn Franz Anton v. Losenstein ließ die Kirche schließlich 2 Jahre vor seinem Tod 1690 erweitern und weihte sie zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit, der Mutter Gottes und den 14 Nothelfern.
Wallfahrtskirche Maria Laah von Georg Achaz II betreut und von Franz Anton erweitert

Die Losensteiner der Linie Losensteinleithen zu Schallaburg hingegen blieben bis zu deren Aussterben 1635 dem neuen Glauben treu. Sie bezahlten dies aber schlußendlich mit der Vertreibung des letzten Losensteiners dieser Linie – Georg Wolfgang – ins mährische Geiersberg, welcher mit seinem ebenfalls wg. des Protestantismus nach Regensburg vertriebenen (und dort kurz darauf verstorbenen) Großvaters Georg von Stubenberg seinen einzigen Schutzherrn verlor. (siehe auch nähere Ausführungen im Stammbaum)

Spätestens ab 1635 bekannten sich wieder alle Losensteiner eifrig zum alten Glauben und so brachte es schlußendlich der letzte Spross der Losensteiner – Franz Anton, Reichfürst von Losenstein – nicht zur zum Dompropst von Passau, sondern gar zum Koadjutor des Bistums Olmütz und Titularbischof von Dura.

Conclusio

Es kann also mit Fug und Recht behauptet werden, dass die Herren von Losenstein in Ihrer wechselvollen 440jährigen Geschichte nicht nur wichtige Ämter und Entscheidungsfunktionen in der „alten“ katholischen Religion, sondern während der Blütezeit des Protestantismus in Österreich diesen auch wesentlich – vor allem in den niederösterreichischen Landen durch Christoph und seinem Sohn Hans Wilhelm – nachhaltig geprägt haben.
 
Die Herren von Losenstein stützten Ihre Macht nie auf die Kirche – ja sie trugen sogar den ein oder anderen offenen Konflikt über manch wirtschaftliche Interessenskonflikte mit ihr aus. Sie blieben aber stets mit ihr in einer fruchtbaren Symbiose zum Vorteil aller verbunden.
 
Das sichtbare Zeichen Ihres Wirkens ist bis heute ist unter anderem in der prachtvollen Losensteiner Kapelle in Garsten als auch in der von den Losensteinern erbauten Pfarrkirche & evangelischen Schule in Loosdorf erhalten geblieben.